Fortbildung durch Blockunterricht ist vorherrschend. 2, 3, oder gar 5 Tage raus aus der Firma und rein in ein Training, so läuft es üblicherweise ab. Das hat einen Vorteil: Man kommt mal komplett raus aus dem üblichen Trott. Neuer Stoff kann sich in mehreren Tagen mal ohne die Beschränkungen des Tagesgeschäftes im Kopf setzen. Zusätzlich ist ein Blockunterricht trotz des Lernens immer auch wie ein kleiner Urlaub - oder sollte es zumindest sein, wenn man nicht ständig durch dringende Nachrichten via Handy oder IM geistig in die Firma zurückgeholt wird.
Darüber hinaus jedoch gibt es eigentlich keine Vorteile mehr durch Blockunterricht für den Lernenden. Der Block ist ansonsten nur von Vorteil für den Veranstalter, weil der dadurch ein größeres Einzugsgebiet von Interessenten hat. Größere Entfernung zu einem Unterrichtsort kann man nur zurücklegen, wenn der Unterricht nicht häufig ist.
Ansonsten lebt der Blockunterricht von einer Illusion; der Illusion, dass man in 2, 3 oder gar 5 Tagen viel nachhaltig lernen könnte. Das ist jedoch nur selten der Fall. Während des Blockunterrichts kann das Neue gewöhnlich nur angerissen werden. Die Lernenden bekommen einen Überblick, probieren dieses und jenes einmal unter kontrollierten Bedingungen aus... und sind nach dem Blockunterricht wieder sich selbst überlassen mit all ihren Fragen. Das wahre Lernen findet notwendig erst wieder am Arbeitsplatz unter Projektdruck statt. Das ist dann schwer, weil der Anspruch an Blockunterricht ja ist, dass der Lernende "ausgebildet" zurückkommt und seine neue Kenntnisse "einfach" nur noch anzuwenden braucht.
Deshalb mögen Unternehmen auch den Blockunterricht. Sie glauben, die Unterrichtszeit würde es schon richten, dass Mitarbeiter etwas lernen. 3 Tage zu einem Kurs geschickt kommt der Mitarbeiter belehrt zurück und profitiert sofort von dieser "Druckbetankung".
So funktioniert Lernen jedoch nicht. Lernen braucht Zeit. Lernstoff muss sich setzen. Lernstoff muss immer wieder und in unterschiedlichen Zusammenhängen auf das Tagesgeschäft angewandt werden. Die dabei auftretenden Fehler müssen erkannt, reflektiert und korrigiert werden. Trial and error ist der natürliche Lernprozess. Solches Vorgehen ist innerhalb eines Blockunterrichts aber nur sehr begrenzt möglich. Und so stehen die Lernenden beim Transfer des Stoffes auf ihren Projektalltag meist allein.
Das Professional Developer College hat die Beschränkungen des Blockunterrichts erkannt und reagiert nun. Zwar bieten wir auch Blockunterricht wie das Clean Code Developer Camp - doch wir sind uns des Kompromisses bewusst.
Gab es bisher jedoch keine Alternative, so ändern wir das nun. Ab sofort bieten wir das wahrscheinlich einzige berufsbegleitende Training zum Thema .NET-Softwareentwicklung, die School of .NET.
Mit der School of .NET lassen wir das Korsett von 2, 5 oder mehr Tagen "Druckbetankung" durch Blockunterricht fallen. Stattdessen findet der Unterricht in der School of .NET einmal pro Woche statt. So dauert ein Training zwar mehrere Wochen - aber das sehen wir als Vorteil.
Da ein schneller, solider, tiefer Wissensgewinn durch "Tempotraining" in wenigen, zusammenhängenden Tagen lernpsychologisch zumindest schwierig ist, sind mehrere Wochen für ein Training kein Verlust, sondern ein Gewinn. Indem der Lernende nach jedem Unterrichtstag sofort wieder die Gelegenheit hat, seinen Wissenszuwachs im Tagesgeschäft zu erproben, verifiziert er es schneller. Nicht nur sind dadurch die "Lernschleifen" kürzer, sie entstehen geradezu erst. Denn in der nächsten Unterrichtsstunde kann er Fragen stellen und bekommt auch Antwort.
Berufsbegleitendes Lernen ist quasi Lernen an der Sicherungsleine. Der Trainer ist immer nur maximal eine Woche entfernt. Berufsbegleitendes Lernen ist insofern schon mit einem Coaching zu vergleichen - zum Preis eines Trainings. Der Lernende hat an jedem Unterrichtstag wieder die Chance, Projektrelevantes vorzutragen und zu bearbeiten. Hilfe kann er nicht nur vom Trainer, sondern auch aus der Lerngruppe bekommen.
Wir halten berufsbegleitendes Lernen eindeutig für das hochwertigere Training.
Die längere Dauer - über Wochen oder gar Monate - ist dabei kein "Bug", sondern das zentrale Feature.
Dass wir dafür die Reichweite des Trainings einschränken müssen, finden wir nicht allzu bedauerlich. Im Gegenteil! Regionale Lerngruppen haben eher eine Chance, auch nach dem Training noch in Kontakt zu bleiben. Berufsbegleitendes Lernen fördert also auch noch den Community-Aufbau. Oder anders ausgedrückt: Berufsbegleitendes Lernen ist gleichzeitig networking.
Wir würden uns freuen, wenn unsere Angebote der School of .NET es Ihnen leichter machten, in eine notwendige Grund- oder Fortbildung einzusteigen.
Derzeit bieten wir für den Ein- und Umstieg in bzw. auf .NET die School of .NET - Synchronous Developer an.
Weitere Informationen zu den Hintergründen der School of .NET finden Sie in einer Reihe von Blog-Einträgen von Stefan Lieser und Ralf Westphal:
- Ralf Westphal, "Lernpräsenz in Zeiten der Krise – aber wie?"
- Stefan Lieser, "Lernen in der Krise"
- Ralf Westphal, "Schulbank statt “Druckbetankung” – Berufsbegleitendes Lernen gerade jetzt"
- Stefan Lieser, "Berufsbegleitendes Lernen – ein Konzept?"
- Ralf Westphal, "School of .NET - Stakeholderverträgliches Lernen"
- Stefan Lieser, "School of .NET – Gedanken zum Curriculum"
- Ralf Westphal, "Einsteigen, bitte - Level 1 der School of .NET"